Gedanken zum Monatsspruch: Oktober

Ein Gastbeitrag von Kim

Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. (Kla3,25 Lutherübersetzung)

Wer sich das dritte Kapitel der Klagelieder vornimmt, denkt im ersten Moment vielleicht „Krass. Der Autor hat ja Gefühlsschwankungen wie ein Teenager. Erst verflucht er Gott und hält ihm vor, wie viel Unrecht ihm in seinem Leben geschah, dann schlägt die Stimmung plötzlich um und er preist Gottes Treue. Was ist los mit diesem Schreiben? Hat er seinen Verstand verloren? Ist er womöglich schizophren, und die beiden Seiten seiner selbst können sich hinsichtlich ihrer Meinung zu Gott nicht einigen?“

Ich glaube allerdings, dass der Autor in einem Konflikt steht, den wir als Christen nur zu gut kennen. Er weiß, er gehört zum allmächtigen Gott, der eigentlich alles im Griff hat, aber er befindet sich gleichzeitig in der Welt, in der es Leid und Tod gibt, weil dieser Gott noch nicht in seiner vollständigen Herrlichkeit gekommen ist. Und in ihm gibt es zwei Einflüsse, einer von der Welt, in der Bibel „Fleisch“ genannt. Es ist der Teil, der nicht in Ewigkeit bestand hat, und sich immer wieder gegen Gott aufbäumt. Der andere Einfluss ist der von Gott, der ihm Zusagen macht, beziehungsweise seine „Seele“ (das Gegenstück zum sogenannten Fleisch, das Ewige), die ihn an diese Zusagen erinnert, vielleicht der Heilige Geist. Und diese beiden kämpfen darum, die Überhand zu behalten, wie bei jedem anderen Gläubigen auch. Wie oft beten wir „dein Wille geschehe“ und streiten uns trotzdem mit denen, die wir lieb haben? Wie oft hegen wir Rachegedanken, obwohl wir doch versprechen, „wir vergeben unseren Schuldigern“? Das ist der Konflikt zwischen „Fleisch“ und „Seele“. Das Fleisch hat die Tendenz, wie Eva auf alle möglichen Lügen und Wahrheitsverdrehungen reinzufallen, sich wegzuführen lassen von Gott, der Wahrheit selbst, aber die Seele hält an Gott und der Wahrheit fest. Von Seiten der Seele kommt auch der Vers oben, und er sagt die Wahrheit, auch wenn der Autor das in dem Moment, wo er es schreibt, noch nicht ganz erfassen und glauben kann. Und dennoch triumphiert die „Seele“ über dem „Fleisch“ und der Autor entscheidet sich dafür, entgegen seiner Gefühlslage Gott zu preisen und ihm die Ehre zu geben. Ähnliches wird in dem Lied „Praise you in this Storm“ von Casting Crowns ausgedrückt, dass in gewisser Hinsicht eine moderne Fassung des Klagelieds ist. Gleich zu Anfang sagt der Sänger, dass er sich sicher war, dass Gott bis zu diesem Zeitpunkt auf seine Gebete geantwortet haben müsste, aber dem ist nicht so, die Stürme des Lebens wehen weiter, aber das Loben Gottes soll unter diesen Umständen nicht abbrechen, denn unsere beschränkte Sicht hindert Gott nicht, über all dem zu stehen.